Projekt

Daten zum Projekt

Vorgeführter Originalitätsverdacht. Eine kleine Soziologie des Prototyps im Zeitalter seiner Vergesellschaftung.

Initiative: "Originalitätsverdacht?" Neue Optionen für die Geistes- und Kulturwissenschaften
Ausschreibung: Komm! ins Offene...
Bewilligung: 24.05.2017
Laufzeit: 1 Jahr

Projektinformationen

Wohl kaum ein technisches Objekt symbolisiert den zeitgenössischen Umgang mit dem Neuen so markant wie der Prototyp. Prototypen sind Inszenierungen von Originalitätsverdacht. Und wie der Begriff der Originalität selbst, verweist auch der Begriff des Prototyps heute kaum mehr auf die Vergangenheit (auf eine ursprüngliche Form), sondern auf eine in die Zukunft gerichtete Innovation. Der Prototyp verspricht eine Zukunft, die er gegenwärtig nicht einlösen kann. Gleichwohl so versucht uns der Prototyp zu versichern, ist das künftig Neue und Originelle kein leeres Versprechen, sondern etwas, das sich bereits jetzt vorführen lässt. Der Essay versucht sich an einer Theorie des Prototyps als kommunikativem Artefakt: Er will Prototypen als Medien interpretieren und zwar als Medien der Kommunikation einer gegenwärtigen Zukunft. Prototypen inszenieren erwartete Möglichkeiten als materiell erfahrbare Wirklichkeiten. Sie sind somit temporal paradoxe Objekte: Prototypen repräsentieren ein zukünftiges Objekt, mit dem sie selbst, als gegenwärtiges Objekt, nicht identisch sind. Zugleich ist der Text als Intervention in ein sich herausbildendes Dispositiv des Prototypisierens angelegt. Es wird nämlich die These verfolgt, dass Prototypisieren heute weit über das Ingenieurlabor hinausgeht: Es lässt sich eine Vergesellschaftung des Prototyps einerseits und eine Prototypisierung der Gesellschaft andererseits diagnostizieren.

Projektbeteiligte