Projekt

Daten zum Projekt

Sensible Provenienzen - Menschliche Überreste aus kolonialen Kontexten in den Sammlungen der Universität Göttingen

Initiative: Vorhaben mit besonderem Stiftungsbezug
Bewilligung: 05.12.2019
Laufzeit: 3 Jahre

Projektinformationen

Die Debatten um menschliche Überreste in Museen, die in Deutschland hauptsächlich durch die Pläne zum Humboldt-Forum in Berlin angestoßen wurden, haben auch akademische Sammlungen nicht unberührt gelassen, wobei eine kritische Auseinandersetzung um die Herkunft ihrer Bestände und deren Einsatz in Forschung und Lehre bisher ausgeblieben ist. Das Provenienzforschungsprojekt möchte ausgehend von zwei Beständen menschlicher Überreste aus(proto-)kolonialen Kontexten in Göttinger Sammlungen deren Herkunft, die Umstände ihres Erwerbs und ihren Einsatz zu Lehr- und Forschungszwecken in den Blick nehmen. Zum einen geht es um die Blumenbachsche Schädelsammlung, deren Grundstock von ca. 245 Schädeln auf den Naturforscher Johann Blumenbach (1752-1840) zurückgeht. Zum anderen wird die umfassende Sammlung menschlicher Schädel(-fragmente) in den Blick genommen, die am Hamburger Museum für Völkerkunde zwischen 1890 und den 1920er Jahren gesammelt und 1953 an die Göttinger Anthropologie abgegeben wurde. Eine erste Durchsicht ergab, dass die Gebeine aus den Regionen Afrika und Ozeanien stammen. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt und vereint unterschiedliche Fachkulturen, die jeweils ihre methodischen Ansätze in das Projekt einfließen lassen: Eine sich hautsächlich auf Archivmaterial stützende historisch-kritische Provenienzforschung wird durch anthropologisch-anatomische Zugänge erweitert, die direkt an den Gebeinen weitere, die historische Analyse ergänzende Informationen erbringen. Im ethnografisch-kulturanthropologischen Teilprojekt wird zum einen eine Begleitforschung des Projektes selbst stattfinden, um den meist unreflektierten Umgang mit den Arbeitsmaterialen" bewusst zu machen und eine Reflexion über die eigenen Forschungspraktiken zu erwirken, die wiederum in den zukünftigen Umgang mit den Gebeinen einfließen soll. Zum anderen soll Kontakt zu VertreterIinnen der Herkunftsgesellschaften aufgenommen werden, um sie in das Projekt einzubinden.

Projektbeteiligte

  • Dr. Marie Luisa Allemeyer

    Universität Göttingen
    Zentrale Kustodie
    Auditorium
    Göttingen

  • Christian Vogel

    Universität Göttingen
    Zentrale Kustodie
    Göttingen

  • Prof. Dr. Regina Bendix

    Universität Göttingen
    Philosophische Fakultät
    Institut für Kulturanthropologie/
    Europäische Ethnologie
    Göttingen

  • Prof. Dr. Rebekka Habermas

    Universität Göttingen
    Philosophische Fakultät
    Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte
    Göttingen

  • Dr. Susanne Hummel

    Universität Göttingen
    Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut
    Historische Anthropologie und Humanökologie
    Göttingen

  • Prof. Dr. Christoph Viebahn

    Universitätsmedizin Göttingen
    Georg August Universität
    Zentrum Anatomie
    Abt. Anatomie und Embryologie
    Göttingen