Projekt

Daten zum Projekt

Augenmaß. Ästhetik und Politik einer basalen Körpertechnik

Initiative: "Originalitätsverdacht?" Neue Optionen für die Geistes- und Kulturwissenschaften (beendet)
Ausschreibung: Komm! ins Offene...
Bewilligung: 09.12.2020
Laufzeit: 1 Jahr

Projektinformationen

Die Rede von der 'Politik mit Augenmaß' bewertet die Entscheidungsfähigkeit einzelner Politiker(innen). Diese Rhetorik gehört ebenso zum Inventar unserer Gegenwart wie verschiedene Praktiken des Augenmaßes: wer etwa im Straßenverkehr Entfernungen einschätzt, verlässt sich auf sein Augenmaß. Dieses optische Maßnehmen ist kulturell erlernt. Nach Marcel Mauss kann man Verhalten dieser Art als basale Körpertechnik bezeichnen. Das Forschungsprojekt geht der Logik, Rhetorik und Praxis des Augenmaßes nach und betritt damit wissenschaftliches Neuland. Wobei die Gegenwartsdiagnostik aufs Engste mit der Geschichte des Augenmaßes in der deutschen Sprache verschränkt ist. Die aktuelle Funktion im politischen Diskurs etwa beruht auf Max Webers Definition des Augenmaßes als entscheidende Qualität eines Politikers. Eine erste Hochphase erlebte das Augenmaß bereits um 1800, und zwar innerhalb von Ästhetik, Handwerk und Militär. Vor diesem Wissenshorizont lässt sich etwa Heinrich von Kleists "Der Prinz von Homburg" erstmals als ein 'Drama des Augenmaßes' lesen. Die literarische Tradition setzt indes schon mit Rousseaus "Träumereien eines einsamen Spaziergängers" ein, um über Storms Fiktion eines 'technischen Augenmaßes' bis zu Alexander Kluges "Das Bohren harter Bretter" fortzudauern. Diese Ästhetik und Politik des Augenmaßes profiliert die Forschungsarbeit im europäischen Kontext.

Projektbeteiligte