Projekt

Daten zum Projekt

Canto for the Supernumeraries

Initiative: "Originalitätsverdacht?" Neue Optionen für die Geistes- und Kulturwissenschaften
Ausschreibung: Komm! ins Offene...
Bewilligung: 10.12.2020
Laufzeit: 1 Jahr

Projektinformationen

'Supernumeraries' ['Überzählige'] ist die Bezeichnung für die Schauspieler(innen) in der Oper, die nicht singen. Historisch haben diese stimmlosen Präsenzen ein Karussell generischer Rollen durchlaufen: Speerträger, Jude Nummer 12, Kurtisane, Flüchtling ohne Namen. Das Projekt beschäftigt sich mit diesen Figuren der überschüssigen und ungewissen Zugehörigkeit, um zu fragen: Wie kann man hören, was ohne Stimme ist? Das Canto ist hier eine Übung im Zuhören auf (historisch erzwungene) Stille und verfolgt drei Untersuchungslinien. Erstens stellt die nur selten wahrgenommene Präsenz dieser 'Überzähligen'- die in den Librettos, den Aufzeichnungen und fotografischen Rahmungen fehlen - die Frage neu, wie das Archiv hinsichtlich der marginalisierten Vergangenheiten zu lesen ist, die es nicht bewahrt hat. Zweitens laden diese internen Außenseiter(innen), deren Körper funktional den großen Erzählungen imperialer Eroberungen untergeordnet sind, dazu ein, eine zentrale Frage der postkolonialen Studien - "Kann die Subalterne sprechen?" - als Index eines akuten Problems des Zuhörens neu zu formulieren. Drittens hilft die Sprachlosigkeit der Überzähligen, das Schweigen als etwas anderes als einen absoluten Horizont - platonisches Ideal oder völlige Bedeutungslosigkeit - neu zu begreifen: als Geste, die keine volle Artikulationskraft beansprucht.

Projektbeteiligte

  • Dr. Michelle Ty

    ici - gemeinnütziges Institut für
    Cultural Inquiry Berlin GmbH
    Berlin